Lawinenwarndienst Steiermark

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Neudefinition der Lawinengrößen

Erstellt am 13. November 2018

Die Vereinigung der europäischen Lawinenwarndienste (EAWS: European Avalanche Warning Services) hat im Sommer 2018 eine Neudefinition der Lawinengrößen vorgenommen. Man hat sich dabei auf die folgende Unterteilung mit den entsprechenden Eckdaten geeinigt. Die beigefügten Beispielbilder sollen die angeführten Unterschiede optisch anschaulicher machen. [Weitere Definitionen finden sich im Glossar der EAWS]

 

Größe 1: "Kleine" Lawine (Rutsch)

  • geringe Verschüttungsgefahr; Absturzgefahr
  • bleibt typischerweise im Hang stehen
Kleine Lawine, Rutsch (Größe 1). (Quelle: LWD Tirol, EAWS)

 

Größe 2: "Mittlere" Lawine

  • kann eine Person verschütten, verletzen oder töten
  • erreicht typischerweise den Hangfuß
Mittlere Lawine (Größe 2). (Quelle: LWD Tirol, EAWS)

 

Größe 3: "Große" Lawine

  • kann PKW's verschütten und zerstören, schwere LKW's beschädigen; kann kleine Gebäude zerstören und einzelne Bäume brechen
  • überwindet flachere Geländeteile (deutlich unter 30°) über eine Distanz von weniger als 50 m
Große Lawine (Größe 3). (Quelle: LWD Tirol, EAWS)

 

Größe 4: "Sehr große" Lawine

  • kann schwere LKW's und Schienenfahrzeuge verschütten und zerstören; kann größere Gebäude und kleine Waldflächen zerstören
  • überwindet flachere Geländeteile (deutlich unter 30°) über eine Distanz von  mehr als 50 m; kann den Talboden erreichen
Sehr große Lawine (Größe 4). (Quelle: LWD Tirol, EAWS)

 

Größe 5: "Extrem große" Lawine

  • kann die Landschaft verwüsten; katastrophales Zerstörungspotenzial möglich
  • erreicht den Talboden; größte bekannte Lawine
Extrem große Lawine (Größe 5). (Quelle: LWD Tirol, EAWS)

Neuer Saisonbericht der österreichischen Lawinenwarndienste 2017/18

Erstellt am 13. November 2018

Wie auch in den Vorjahren erschien Ende Oktober 2018 abermals ein gemeinsamer Winterbericht der österreichischen Lawinenwarndienste, in dem lawinenrelevante Ereignisse aus dem spannenden Winter 2017/18 detailliert aufgearbeitet und anschaulich präsentiert wurden.

Aufgrund der enormen Nachfrage aus den vergangenen Jahren können wir unser Service, die Berichte auf Anfrage kostenlos zu verschicken, leider nicht mehr anbieten. Das 220 Seiten umfassende Druckwerk ist über den Alpenverein zu beziehen (Link).

Die Druckausgabe des neuen Saisonberichts der österreichischen Lawinenwarndienste. (Quelle: ARGE österreichischer Lawinenwarndienste)

ISSW 2018 Innsbruck

Erstellt am 4. Oktober 2018

Die ISSW (International Snow Science Workshop) ist die weltweit größte Fachkonferenz zum Thema Schnee und Lawinen.
Ihr Erfolg liegt im Motto: „Forschung für die Praxis – Praxis für die Forschung“

Rund 1.000 lokale, nationale und internationale Teilnehmer aus Wissenschaft und Praxis werden auf der ISSW2018 erwartet.
Die ISSW fördert wie keine andere Fachkonferenz den internationalen und fachübergreifenden Austausch zwischen Schneeexperten.
Unterschiedliche Präsentationsmöglichkeiten, wie Fachvorträge, Posterpräsentationen und Podiumsdiskussionen,
sowie die Einbindung einer internationalen Fachmesse, ermöglichen den direkten Kontakt mit einem breiten Fachpublikum.

Alle Interessierten sind zu dieser Großveranstaltung als Einstimmung auf die kommende Wintersaison herzlich einladen!

Nähere Infos gibt´s unter www.issw2018.com/de


Tourenforum-Fotoprämierung 2017/18

Erstellt am 20. April 2018

Am Donnerstag, dem 19. April fand die bereits zur langjährigen Tradition gewordene Tourenforums-Fotoprämierungs-Veranstaltung im Geographie-Institut der KF-Universität in Graz statt. Trotz des frühsommerlichen Wetters war die Veranstaltung bemerkenswert gut besucht. Der Eröffnung vom „Hausherren“ Gerhard Lieb folgte ein Fachvortrag zum Thema „Die Zukunft des Schnees im Alpenraum“ von Andreas Gobiet wie auch ein Saisonrückblick von Alexander Podesser, der die wichtigsten Wetterkapriolen in Österreich wie auch einen Teil der steirischen Lawinenunfälle zusammenfasste. Den Anschluss bildete der eigentliche Kernpunkt der Veranstaltung, nämlich die Präsentation der von einer Fachjury bestbewerteten Fotos wie auch die anschließende Preisübergabe an die Fotographen. Und an dieser Stelle möchten wir einhaken und uns ganz herzlich bei all unseren (mehr als 500) registrierten Usern bedanken:

  • Danke“ für 925 Forumsbeiträge, was einem Plus von 42% gegenüber dem Vorjahr entspricht!

  • Danke“ für das Posten von insgesamt 5355 Fotos (+43%), die für uns einen tollen Überblick über die lokalen Verhältnisse und somit eine zusätzliche „Datenquelle“ bei der täglichen Bewertung der Lawinengefahr darstellen!

Als kleine Anerkennung dafür griffen die namhaften Sponsoren des Skitourenforums heuer sehr tief in ihre Taschen und stellten eine Vielzahl toller Preise aus dem Bergsportsegment zusammen, an denen sich ihre neuen Besitzer sichtlich erfreuten.

In diesem Sinne hoffen wir auf einen unfallfreien Ausklang der Skitouren-Saison 2017/18 und würden uns über ähnlich zahlreiche wie auch qualitativ hochwertige Beiträge im Tourenforum des Lawinenwarndienstes Steiermark in der neuen Saison 2018/19 freuen!

Die glücklichen Gewinner sind mit ihren neuen Wintersportartikeln für die kommende Saison 2018/19 bestens gerüstet. Foto: LWD

Dieses Foto von Peter P erhielt von der Jury die höchste Punktezahl und wurde somit zum Gesamtgewinner gekürt:

Peter P, 09.02.2018, Veitschalpe. Foto: Tourenforum

Das Siegerbild aus der Kategorie "Alpinismus":

Reist, 24.02.2018, Watzmannkar, Skischarte, "Am 3. Kind ist die Vorstellung gut besucht". Foto: Tourenforum

Die Kategorie "Lawinen" wurde von diesem Licht-Schatten-Spiel gewonnen:

Hannes Pichler, 26.03.2018, Marchginggele, "Riesen-Fingerabdruck?". Foto: Tourenforum

Aus dieser Nahaufnahme ging der Sieger der Kategorie "Schnee" hervor:

Martin G., 08.02.2018, Schöckl, "Schneeigel". Foto: Tourenforum

Diese spektakuläre Wolkenformation stand Portrait für den Sieges-Schnappschuss der Kategorie "Wetter":

shorty the., 06.02.2018, Stadelstein, Eisenerzer Alpen. Foto: Tourenforum

Von den Usern am höchsten bewertet und somit Gewinner der "User-Kategorie":

da oide neiwoida, 25.03.2018, Nebelmeer bei Griesmauer und Polster Foto: Tourenforum

Seckauer Zinken, Südrinne – vier Todesopfer innerhalb der letzten 15 Jahre

Erstellt am 8. April 2018

Der Seckauer Zinken ist ein 2397m hoher Berg im Gebirgszug der Seckauer Tauern (Niedere Tauern Süd). Hier kam es innerhalb der letzten Jahre zu einer außergewöhnlichen Häufung von fatalen Lawinenunfällen, die sich allesamt in der Südrinne dieses Berges ereigneten. Die großflächigen, freien Hänge in einem Höhenbereich deutlich oberhalb der Waldgrenze sind dem Windeinfluss schutzlos ausgeliefert und so kommt es hier speziell bei Triebschneesituationen zu effektiven Schneeumlagerungen. Überwiegend in Phasen mit Nord- oder Nordwestwind lagern sich in den Südsektoren tückische Triebschneepakete ab. Oftmals sind angrenzende Hangzonen so stark abgeweht, dass deren Befahrung nur mehr schwer möglich ist, dann scheint eine Abfahrt durch die mit Triebschnee befüllte Rinne umso verlockender. Die Parallelen der Verhältnisse zeigen vor allem die Vergleichsfotos der Unfälle aus den Jahren 2003 und 2013.

 

Ein Rückblick auf die Unfälle der Jahre 2003 und 2013

Am 01.03.2003 querten zwei Tourengeher im oberen Drittel die Südrinne und lösten dabei ein Schneebrett aus, das sie etwa 300m mitriss und ca. 2m tief verschüttete. Die Wintersportler trugen keine LVS-Geräte und konnten im Rahmen einer großangelegten Suchaktion nach 4 Stunden gefunden und nur noch tot geborgen werden.

Der Schneedeckenaufbau zum damaligen Zeitpunkt war ungünstig, Triebschneepakete überdeckten kantige Schichten. Auch zum Zeitpunkt des Unfalls herrschten stürmische Wetterbedingungen, die zu frischen Einwehungen führten.

Sehr langer seitlicher Anriss entlang der Südrinne des Seckauer Zinkens. Hier kam es am 01.03.2003 zu einer Schneebrettauslösung, die zwei Tourengehern das Leben kostete. Foto: LWD

 

Zehn Jahre später ereignete sich in derselben Rinne am 18.01.2013 der einzige tödliche Lawinenunfall des Winters (2012/13) in der Steiermark. Zwei Tourengeher stiegen westlich der Südrinne zum Gipfel auf, welchen sie am Nachmittag schließlich erreichten. Aufgrund der fast schneefreien Verhältnisse wählten die beiden für ihre Abfahrt nicht – wie zunächst geplant – den Bereich ihrer Aufstiegsspur, sondern fuhren in die Südrinne ein. Dabei löste sich ein Schneebrett, welches einen Tourengeher mitriss und vollständig verschüttete. Sein Kollege schaffte es, mittels Schussfahrt zu entkommen und wurde nicht mitgerissen. Er konnte den Verschütteten anschließend orten und aus 1,2m Tiefe nur noch tot bergen.

Die Tage vor dem Unfall waren von Schlechtwetter mit tiefen Temperaturen, stürmischem Nord- bis Nordwestwind sowie etwa 15cm Neuschnee geprägt. Während das Schrofengelände außerhalb der Rinne abgeblasen wurde, lagerte sich in der Südrinne (Geländehohlform) immer wieder Triebschnee ab. Im Rahmen einer Unfallerhebung wurde als Schwachschicht unterhalb der Triebschneeauflage eine dünne Schicht mit kantigen Kristallen festgestellt. Am Unfalltag herrschten zudem schlechte Sichtbedingungen, welche die Bewertung der Lawinengefahr vor Ort wie auch die Wahl der Abfahrtsroute beeinträchtigten.

Anderer Kamerawinkel als beim vorangegangenen Foto, jedoch beinahe dieselbe Schneeverteilung: Abgeblasen Bereiche rings um die mit Triebschnee befüllte Rinne. Während ein Tourengeher aus der Lawine noch seitlich ausfahren konnte, wurde sein Kollege mitgerissen und verschüttet – für ihn kam am 18.01.2013 jede Hilfe zu spät. Foto: LWD

 

Tödlicher Lawinenunfall am 20.03.2018

Im März dieses Jahres herrschte ebenfalls eine längere Triebschneephase. Speziell am Beginn der zweiten Märzhälfte war es für die Jahreszeit untypisch kalt und ziemlich windig. Verfrachtungen lagerten auf kantigen Kornformen und überdeckten zum Teil störanfälligen Oberflächenreif.

Am 20.03.2018 unternahm ein Wintersportler alleine eine Skitour Richtung Seckauer Zinken. Da er am nächsten Tag nicht in der Arbeit erschien und ein Kollege von dessen Tourenziel am Vortag Bescheid wusste, wurde eine großangelegte Suche eingeleitet. Das Auto des Vermissten konnte am Ausgangspunkt der Tour gefunden werden, zudem hatte ein Waldarbeiter den aufsteigenden Tourengeher unmittelbar nach dem Start seiner Skitour gesehen. Dennoch blieb die aufwendige und aufgrund der herrschenden Lawinenverhältnisse nicht ungefährliche Suche der Bergrettung und Alpinpolizei in dem sehr weitläufigen Gebiet zunächst ergebnislos.

Blick auf die Schollen bzw. die beginnende Ablagerungen der Schneebrettlawine. Im Winter 2017/18 lag mehr Schnee als bei den beiden vorangegangenen Unfällen der jahre 2003 und 2013. Das Foto wurde am 22.03.2018 aufgenommen. Foto: LWD

 

Rund zweieinhalb Wochen später (am 07.04.2018) konnte der Lawinenhund eines Bergretters den tödlich verunglückten Tourengeher in einer Tiefe von rund 60cm orten. Er dürfte im Aufstieg auf den Seckauer Zinken in der Südrinne ein Schneebrett ausgelöst haben, das ihn mitriss und zur Gänze verschüttete. Er trug kein LVS-Gerät.


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